Loslassen

Wochentags, Münchner Innenstadt, belebte Straßenkreuzung. Eine junge Frau mit Hund stand an der Fußgängerampel und wartete auf Grün. Um die rechte Hand hatte sie die Hundeleine gewickelt, mit der linken hielt sie das Smartphone ans Ohr. Ein Wunder an geteilter Aufmerksamkeit, hören, reden, schauen, kontrollieren. Das Tier schnupperte unterdessen interessiert am Boden. Es war ein…

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Pfingstwunder

In der Pfingstausgabe des Magazins der Süddeutschen Zeitung lese ich von einem in Ägypten aufgewachsenen Mann Anfang 40 – seine Mutter war oder ist Mitarbeiterin des Goethe-Instituts, sein Vater Rechtsanwalt – der über sich selbst sagt „im Herzen Ägypter, im Kopf Deutscher“. Klar, anders herum wäre komisch. Im Herzen Deutscher, damit stünde er sofort unter…

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Storytelling

Heute blieb ich bei einem Video im Netz hängen, in dem jemand über die Zukunft des „Storytellings“ nachdachte. Darüber, wie Geschichten erzählt werden, insbesondere mittels digitaler Medien. Er sagte, die Geschichten von morgen würden keinen Anfang und kein Ende mehr haben, Vergangenheit und Gegenwart würden miteinander verschmelzen in dem Sinne, dass  reale Orte zu Speichermedien…

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Stimmen hören

Was eigentlich ist das Gegenteil von Synästhesie? Gibt es auch für das bewusst getrennte Wahrnehmen von Sinneseindrücken ein griechisches Wort? Alloästhesie? Dysästhesie? Die Frage drängte sich mir kürzlich auf, als ich den neuen Hoffnungsträger der SPD, Martin Schulz, nach der Landtagswahl im Saarland sein Statement abgeben hörte. Ich kann mich nicht erinnern, WAS er sagte,…

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Metaphern und Bilder (2)

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ (Ludwig Wittgenstein) – Im Rahmen des diesjährigen Literaturfestes in München fand ein Symposium mit dem Titel „Lasst uns über Sprache reden…“ statt. Ich konnte leider nicht teilnehmen, las aber später in der Zeitung den Nachbericht, der gut zu meinem Thema – Gewalt und Sprache – passt.…

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Eine Sprache, die keiner mehr spricht (1)

Als gefährdet und vom Aussterben bedroht gelten Sprachen, die von immer weniger Muttersprachlern gesprochen und dementsprechend von nachfolgenden Generationen nicht mehr erlernt werden können. Nach einer Lesung sagte kürzlich jemand zu mir, ich würde in einer Sprache schreiben, die keiner mehr spricht. Der Satz war als Kompliment gedacht. Meine Texte sind auf Deutsch verfasst, von…

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Stille

Eine Freundin macht gerade ein Stille-Retreat, fünf Tage Schweigen. Würde sie, wenn sie in dieser Zeit schriebe, die Stille brechen? Über das Verhältnis von Schreiben und Schweigen, oder Schreiben und Stille nachzudenken finde ich spannend. Wobei Schweigen nicht unbedingt Stillsein bedeutet, und Stille nicht zwangsläufig mit Schweigsamkeit gleichzusetzen ist. Der US-amerikanische Musiker, Künstler und Autor…

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Mitschriften

Am Wochenende auf DVD „Ein russischer Sommer“ gesehen. Der Film nach dem Roman „The Last Station“ von Jay Parini spielt in Russland und handelt vom letzten Lebensjahr des Schriftstellers Leo Tolstoi. Der junge Valentin Bulgakow, Tolstoi Anhänger und angehender Dichter, wird von Tolstois Moskauer Freund und Unterstützer Vladimir Chertkov als neuer Sekretär eingestellt. Er reist…

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Lärm – Oktober 2015

Auf Seite 3 der Süddeutschen Zeitung ist ein interessantes Foto abgedruckt. Auf dem Foto trägt ein Demonstrant der wöchentlichen Pegida Aufmärsche in Dresden ein Schild mit der Aufschrift: ISLAM = KARZINOM. Ausländerfeindlichkeit und Krebs.  Das Bild entspricht auf seltsame Weise einem Gefühl, das sich bei mir seit einiger Zeit jedesmal einstellt, wenn ich am Münchner…

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