Schneckensommer

Was für ein Sommer! Es regnet und regnet und regnet. Über Wasserknappheit brauchen wir uns in Süddeutschland in diesen Monaten nicht zu beklagen. Die Regentonnen laufen über. Aus den Gullideckeln quillt das Wasser. Die Wiesen verwandeln sich in vollgesogene Schwämme, die unbefestigten Wege in Schlammpisten. Es plätschert, trommelt, pladdert und plätschert. Und wenn der Regen…

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Bevölkerung statt Volk

Was machen wir jetzt bloß? Wie werden wir diese Typen und die miese Stimmung, die sie verbreiten, wieder los? Gemeint sind die Rechten, die mit dem rechts-politischen und rechts-populistischen Spektrum Sympathisierenden, die Neonazis und AfDler:innen, die Lautstarken, die andauernd „das Volk“ sagen, die Trumps dieser Welt und die mit ihnen Fraternisierenden, all die Miesmacher und…

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Warum gendern?

Es ist einer dieser extrem heißen Sommertage. Das Außenthermometer an der Hauswand misst 34 Grad im Schatten. Nicht eine Regenwolke weit und breit. Am Lindenbaum vor meinem Fenster regt sich kein Blättchen. Die Luft steht still. Man selbst tut ebenfalls gut daran, sich still zu verhalten. Schnelle Bewegungen vermeiden. Drinnen bleiben und nichts denken oder…

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Ist das da draußen „die Natur“?

Morgens um fünf, ich liege wach. Es braucht nicht viel, um den letzten Schleier Schläfrigkeit zu lüften, der mich noch trennt vom Tag. Mein Dämmerzustand um die Uhrzeit ist dünn wie Chiffon. Im Hühnerstall hinter dem Haus kräht der Hahn. Auch du, Gockel. Der schwarze Hahn, der meinem Schlaf den Dolch ins fadenscheinige Gewand sticht,…

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Pionierin für den Frieden: Bertha von Suttner

Kurz nachdem im Februar dieses Jahres der Krieg um und in der Ukraine ausbrach, fing ich an, die Bücher der Friedensnobelpreisträgerin von 1905 Bertha von Suttner zu lesen. Zuerst die umfangreichen Memoiren, danach ihren Beststeller „Die Waffen nieder!“. Letzteres wurde 1889 veröffentlicht und beschreibt den Leidensweg einer österreichischen Frau in der Mitte des 19. Jahrhunderts.…

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Virtuelle Realitäten

In einer Münchner Kunstgalerie gab es kürzlich ein Virtual-Reality Projekt zu sehen bzw. zu erleben. Zusammen mit einer zweiten Person konnte man in eine digital gestaltete Landschaft eintauchen und dort sowohl miteinander interagieren als auch in Wechselwirkung zu der sichtbaren Umgebung treten. Meine Erfahrungen mit Datenbrillen sind etwas veraltet und stammen aus der Zeit der…

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Die verborgene Sängerin, vorerst letzte Folge (30)

Ein großer leerer Platz vor einer großen leeren Stadt. Vor einem Jahr noch empfand ich die ungewohnte Leere und Abwesenheit von städtischer Betriebsamkeit faszinierend, wohltuend sogar. Etwas atmete erleichtert auf in globalen Dimensionen, etwas schien zur Ruhe zu kommen, sich neu besinnen zu wollen. Auf der Theresienwiese wuchsen Palmen. Der Himmel war ein von Kondensstreifen…

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Menschen und Knospen (29)

Nie waren wir den Pflanzen ähnlicher als in diesem noch jungen Jahr. Das gesellschaftliche Gewebe vegetiert vor sich hin. Die Verständigung darüber, dass wir soziale Wesen sind funktioniert gerade irgendwie unterirdisch. Oder durch die Luft, den digitalen Äther. Woche um Woche vergeht. Schon ist es Mitte März. Man möchte aufblühen, raus aus der engen Hülle,…

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In Lüften reiche Schätze (28)

Nunc lege, nunc ora, nunc cum fervore labora.Nunc contemplare,nunc scripturas meditare.Nunc etiam pausa,ne mortis sit tibi causa! (Mittleralterliche Ordensregel) Bald lies, bald bete,bald arbeite mit Eifer.Bald betrachte,bald meditiere die Schrift.Bald halt auch inne,damit du dir nicht den Tod holst! Süßer, zu süßlich künstlicher Geruch nach Fruchtaromen zieht uns in die Nasen. Zwei junge Frauen rauchen…

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Das zweite Jahr (27)

Wir blinzeln in die Sonne, ein Tag wie Frühling, aber es ist noch kein Frühling. Acht Wochen verschärfter Lockdown liegen hinter uns, bald zwei Monate geschlossene Gesellschaft, und niemand kann sagen, wann der Ausnahmezustand enden wird. Franz und ich treffen uns zum ersten Spaziergang im neuen Jahr am Münchner Gasteig. Das dortige Lokal „Gast“ musste…

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Die verborgene Sängerin (26.1)

„Für Menschen heißt Leben – wie das Lateinische, also die Sprache des vielleicht zutiefst politischen unter den uns bekannten Völkern, sagt – soviel wie ‚unter den Menschen weilen‘ (inter homines esse) und Sterben soviel wie ‚aufhören unter Menschen zu weilen‘ (desinere inter homines esse).“ (Hannah Arendt in „Vita activa“) Möchte man in diesen Tagen Anfang…

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Die verborgene Sängerin (26.2)

Der Nymphenburger Kanal ist von einer dünnen Eisschicht bedeckt, nur unter den Brückenbögen und im großen Brunnenbecken vor dem Schloss bewegt sich die Wasseroberfläche dunkel. Die dort reglos in sich eingeschnabelten Schwäne sehen von Weitem wie flache Schneehaufen aus. Vor ein paar Tagen hat es schon einmal geschneit, nicht viel. Die Wege im Park sind…

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Die verborgene Sängerin (25.1)

„Denn Humus ist die Basis unseres irdischen Lebens, er ist buchstäblich sein Anfang und sein Ende, er entsteht durch Leben, und Leben entsteht durch ihn. Er ist der vielfältigste, verworrenste, erstaunlichste, weiseste und zugleich primitivste Ausgleich zwischen den unzähligen Gestaltungen und den noch unzähligeren Bedürfnissen des Lebens. Er ist die unablässige Verwandlung des Zustands, den…

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Die verborgene Sängerin (25.2)

In ihrem vor genau hundert Jahren veröffentlichten Zukunftsroman „Die Feuerseelen“ beschäftigte sich Annie Francé-Harrar bereits mit der Umweltzerstörung durch mangelnde Ressourcenwirtschaft. Sie war eine frühe Öko-Kassandra, aber eine, die es nicht bei Warnungen beließ, sondern zugleich über Lösungen nachdachte und an deren Umsetzung mitwirkte. Nach dem Tod ihres Mannes setzte sie die gemeinsame Arbeit unermüdlich…

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Die verborgene Sängerin (24)

Nein, es steigt kein weißer Rauch auf. Es steigt auch kein schwarzer Rauch auf. Es steigt überhaupt kein Rauch auf. Es weht noch nicht einmal eine sternenbesetzte Fahne. Die einzigen Streifen und Sterne, die am Münchner Amerikahaus zu sehen sind, winden sich um den Körper Andy Warhols auf einem rosastichigen Plakat im Garten vor dem…

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Die verborgene Sängerin (23.1)

Die Inzidenzwerte steigen. Vor einigen Monaten war das noch ein Wort ohne Geschmack und Belang, ein Wort aus einer Petrischale geboren, abstrakt und dem gelebten Leben fern. Inzidenzwert, hm. Doch während ich noch damit beschäftigt bin, den letzten Spaziergang mit Franz auf die Computerfestplatte zu bannen, steigen die Werte der Inzidenzien, heißt: Ausgehverbot droht. Der…

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Die verborgene Sängerin (23.2)

In der Mondstraße ist der der Auer Mühlbach auf einmal wieder da, ein kurzes bezauberndes Bachstück lang. Sind wir noch in München? Grachten, innerstädtische Wasserstraßen, Venedig, Amsterdam kommen in den Sinn. (Weiter hinten im Text wird mir das wie eine Vorahnung erscheinen.) Dann folgen Franz und ich nicht länger dem Bachlauf, sondern einer Einladung zum…

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Die verborgene Sängerin (22)

Wir sind zurückgekommen, noch einmal den Giesinger Berg hinauf, noch einmal zum Stadion. Die Eingangstore zeigen sich verschlossen, das Publikum hat Hausverbot. Im Herbst der Pandemie verlieren die Bäume bereits ihre Blätter, der Fußball rollt vor leeren Rängen, der Rasen ist weiterhin grün. War es ein Fehler, zweimal in Folge denselben Ort aufzusuchen? Ich wollte…

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Die verborgene Sängerin (21.1)

Glasscherbenviertel, rote Hochburg, Arbeiterviertel wurde die Gegend genannt. Früher einmal, wann war das? Obergiesing, das Aschenputtel oben am Berg, hat eine revolutionäre Vergangenheit. Hunderttausend Trauernde sollen bei der Beerdigung des Anführers der Novemberrevolution und des ersten und ersten ermordeten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern, Kurt Eisner, zum Ostfriedhof durch Giesing marschiert sein. Von einer McDonald`s Filiale…

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