Gleich zu den Texten und Bildern

Oder erst Infos zum Projekt lesen:

Vor einigen Jahren hörte ich zum ersten Mal von der „verborgenen Sängerin“, einer Kunstaktion im öffentlichen Raum. Man erzählte mir, die ausführende Künstlerin stamme aus der Schweiz, sei Sängerin und Performerin und bisher vor allem in ländlichen Gegenden in Erscheinung getreten. Sie tauche unangekündigt irgendwo auf, am Ackerrand, inmitten einer Almwiese, am Gipfelkreuz eines Berges, an touristisch frequentierten Stellen und einsamen Plätzen, an Kreuzungen von Spazier- und Wanderwegen. Und dann singe sie, und das sei unglaublich!

Ich wurde neugierig und begann zu recherchieren, fragte befreundete Künstlerinnen und Künstler, verschickte Emails. Wer ist die Frau? Wo kann man sie finden? Was macht sie genau? Warum erscheinen sämtliche Aussagen über das Projekt und die Sängerin, so geheimnisvoll, rätselhaft, kurios?

Nach und nach erfuhr ich weitere Details, und je mehr ich herausfand, desto größer wurde der Wunsch die „verborgene Sängerin“ zu sehen und ihren Gesang zu hören. Man sagte mir, wer sie wirklich finden möchte, wird ihr früher oder später begegnen. Und: Man brauche Zuversicht und Geduld.

Anfang März 2020 sollte die „verborgene Sängerin“ für längere Zeit nach München kommen. Zusammen mit dem Fotografen Franz Kimmel hatte ich vor, nach ihr zu suchen. Doch statt der Sängerin kam Corona, und unser Vorhaben nahm eine etwas andere Wendung.

Franz und ich gehen seither weiter durch die Stadt, wir schauen, hören, halten Ausschau nach Verborgenem, folgen unserer Intuition. Franz fotografiert, ich schreibe. Nach und nach entsteht eine literarisch-fotografische Langzeitkartografierung Münchens, eine Art rhapsodischer Fortsetzungsroman über diese Stadt im Grünen. Wir treffen auf Geschichte und Geschichten, unsere eigenen und die von Fremden…

Oder wie Walter Benjamin es formulierte: „Will man sich nun erinnern, daß nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Geister, und vor allem die Bilder wohnen, so liegt greifbar vor Augen, was den Flaneur beschäftigt und was er sucht. Nämlich die Bilder wo immer sie hausen.“ (in: „Die Wiederkehr des Flaneurs“)

Was bisher geschah:

(1) Theresienwiese. Losgehen: Corona statt Bavaria

(2) Rund ums Haus der Kunst. Kurz vor Drosselung der Eisbachwelle

(3) Singen im Verborgenen. Die Stadt war schön und leer.

(4) Die kalte Präzision der Zahlen… Sich verstecken oder verbergen?

(5) Täglich an die Luft gehen, Waldbaden light

(6) Doch. Weitermachen. Große Stadtrundfahrt.

(7) Betrachtungen über den (neuen) Himmel

(8) Westfriedhof. Verbrechen und andere Sehenswürdigkeiten

(9.1) Hofgarten. Mit dem Herumlaufen allein ist es nicht getan

(9.2) Opernplatz. Vom Absagen, Verschieben und der Systemrelevanz

(10) Arnulfpark. Nun ward der Frühling unserer Distanz

(11.1) Ferdinand-Miller-Platz. Elfenbeinturm vergangener Tage

(11.2) Maxvorstadt, Ferdinand-Miller-Platz. Ramadama, Wochenmarkt

(12.1) Olympiagelände, alter S-Bahnhof. Utopien und Heilige

(12.2) Olympisches Dorf. The games must go on!

(13) Ost-West-Friedenskirche. Wie macht sich das Leise bemerkbar?

(14.1) Schellingstraße rauf und runter, Teil 1

(14.2) Schellingstraße runter und rauf, Teil 2

Fotos: Franz Kimmel