„Die verborgene Sängerin“ heißt ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum, von dem ich zum ersten Mal vor vielen Jahren hörte. Man erzählte mir, die ausführende Künstlerin stamme aus der Schweiz, sei Sängerin und Performerin und bisher vor allem in ländlichen Gegenden in Österreich und der Schweiz in Erscheinung getreten. Sie tauche unangekündigt irgendwo auf, am Ackerrand, inmitten einer Almwiese, am Gipfelkreuz eines Berges, an touristisch frequentierten Stellen und einsamen Plätzen, an Kreuzungen von Spazier- und Wanderwegen. Und dann singe sie, und das sei unglaublich!

Ich wurde neugierig und begann zu recherchieren, fragte befreundete Künstlerinnen und Künstler, verschickte Emails. Wer ist die Frau? Wo kann man sie finden? Was macht sie genau? Warum erscheinen sämtliche Aussagen über das Projekt und die Sängerin, so geheimnisvoll, rätselhaft, kurios?

Nach und nach erfuhr ich weitere Details, und je mehr ich herausfand, desto größer wurde der Wunsch die „verborgene Sängerin“ zu sehen und ihren Gesang zu hören. Man sagte mir, wer sie wirklich finden möchte, wird ihr früher oder später begegnen. Und: Man brauche Zuversicht und Geduld.

Zusammen mit dem Fotografen Franz Kimmel suche ich seither nach der Sängerin, trage Hinweise und Informationen über sie zusammen und berichte darüber in meinem Blog.

Was bisher auf der Suche nach der Sängerin geschah

Was bislang über die „verborgene Sängerin“ bekannt ist und mit ziemlicher Sicherheit stimmt:

• Das Projekt nennt sich „Die verborgene Sängerin“.

• Die Künstlerin möchte im Sinne des Projekts verborgen bleiben. Ihr (bürgerlicher) Name war noch nicht herauszufinden, und sollte ich ihn herausfinden, werde ich ihn nicht verraten.

• Bekannt ist: Sie ist ausgebildete Sängerin, stammt aus der deutschsprachigen Schweiz und dürfte zwischen 40 und 50 Jahre alt sein (da schwanken die Angaben).

• Sie tritt ausschließlich unter freiem Himmel auf und an Plätzen, die öffentlich zugänglich sind.

• Auf Werbung, Presseankündigungen, Videoaufnahmen wird radikal verzichtet. Kein Facebook, Twitter, Youtube, Instagramm o.ä. Das Projekt wird nur mündlich „überliefert“ und findet ausschließlich im realen Raum vor realem Publikum statt bzw. vor Leuten, die zufällig am Auftrittsort sind. (Zu den mündlichen Übertragungswegen zählen auch Email und Kurznachrichten von Mensch zu Mensch).

• Erste Erwähnungen der „verborgenen Sängerin“ Anfang der 2000er Jahre. Damals wurde das Projekt mehrmals im Kanton Appenzell-Außerrhoden in der Gegend um Herisau (Schweiz) und in den Kitzbühler Alpen/Wildschönau (Österreich) gesehen, später an der Autobahnraststätte Irschenberg (Deutschland).

• Zum Konzept des Projekts gehört es, dass es auf unbestimmt lange Zeit angelegt ist (jemand erwähnte die engl. Ausdrücke „Long Durational Piece“ und „Indeterminacy Piece“, was auf eine gedankliche Verbindung zu John Cage hinweist).

• Nachdem die „verborgene Sängerin“ die letzten (oder ersten) 20 Jahre vorwiegend in ländlich-naturnaher Umgebung außerhalb von Städten gesungen hat, widmet sich das Projekt ab 2020 dem urbanen Raum als Naturraum.

• Im Lauf der Zeit hat sich ein Unterstützerkreis gebildet, über den Informationen zum Projekt diskret weiterverbreitet werden. Ob dies koordiniert und planmäßig erfolgt, wie groß der Unterstützerkreis ist oder ob es sich nur um einzelne Personen handelt, die der Sängerin persönlich nahestehen, ist noch unklar.

• Gegenwärtig performt die „verborgene Sängerin“ in München, was in der Zeitrechnung des Projekts bedeutet, dass sie eine geraume Weile in der Stadt bleiben und singen wird.

Was bisher auf der Suche nach der Sängerin geschah

Foto: Franz Kimmel